Liebe Feminist*innen, liebe Freund*innen, liebe Genoss*innen!
Heute ist der 8. März. Wir feiern heute feministische Errungenschaften. Und wir kämpfen gleichzeitig weiter, gegen alle Angriffe auf unsere Rechte, gegen alle reaktionäre Rückschritte. Wir kämpfen für den Feminismus und für eine Welt, in der alle ohne Angst verschieden sein können!
Wir von der Queer Pride Dresden haben uns sehr gefreut, dass wir für einen Beitrag angefragt wurden. Und gleichzeitig sind wir wütend darüber, dass wir wieder eine Rede über Ausgrenzung, Angriffe und ansteigende Gewalt halten müssen. Dass wir gezwungen sind darüber zu reden, wie düster es um die Sicherheit queerer Menschen bestellt ist.
Und doch wollen wir diesem tristen Thema mit Entschlossenheit und Widerstandskraft begegnen. Das können wir, weil es etwas gibt, dass uns Mut macht.
Es macht uns Mut, dass wir hier unter so vielen Menschen stehen, die gegen sexistische Gewalt ankämpfen. Die dafür intersektionale Bündnisse aufbauen. Die dem patriarchalen Anspruch von Autorität etwas entgegensetzen: emanzipatorische Solidarität. Vielen Dank dafür an euch alle!
Aber zurück zum Thema Queerfeindlichkeit, und dabei zuerst ein Abschiedsgruß an die scheidende Regierung:
Wir sind wütend, dass gemeinsam über Jahre für das neue Gewalthilfegesetz gekämpft wurde. Und das am Ende auf Druck der CDU der Schutz für TIN-Personen herausgestrichen wurde. Eine der verletzlichsten Gruppen unserer Gesellschaft wurde dem rechten Populismus geopfert. Grüne wie SPD sind ohne jeden erkennbaren Widerstand vor transfeindlicher Propaganda eingeknickt. Das war kein Kompromiss, das ist Verrat!
Wir sind außerdem wütend über die aktuelle Welle martialischer, queerfeindlicher Mobilisierungen. 2024 gab es bei zwei Drittel aller CSDs in Sachsen rechtsextreme Gegenaktivitäten. Die Ziele der Nazis sind ganz klar antifeministisch. Sie wollen ihre überhöhten Männlichkeitsvorstellungen durchboxen, sie wollen marginalisierte Stimmen zum Schweigen bringen, sie wollen uns aus dem öffentlichen Raum vertreiben.
Skandalös ist dabei die Ignoranz der Behörden. Trotz menschenverachtender Rhetorik und aggressivem Auftreten der extrem rechten Gruppierungen haben die Cops in allen Fällen einen „friedlichen Verlauf“ prognostiziert. Von der Staatsmacht können Queers keinen Schutz erwarten.
Was dagegen wirklich geschützt hat, war gegenseitiger Support und Anreisen aus größeren Städten in kleinere Orte. An dieser Stelle ein herzlicher Gruß an Pride Soli Ride!
Was uns geholfen hat waren Warnungen und Hinweise von Antifa-Gruppen.
Die selbstbestimmte, sichere queere Sichtbarkeit in Sachsen war möglich durch gemeinsame queere, antifaschistische Aktionen. So konnten wir den Treffpunkt der Elblandrevolte am 1. Juni in Dresden besetzen. So konnten wir die Nazi-Anreise zum CSD Bautzen durch eine Bahnsteig-Blockade verzögern. So konnten wir uns in Görlitz entschlossen in den Weg stellen, als die Polizei den rechten Aufmarsch direkt an die Abschlusskundgebung heranführen wollte.
Wir haben immer wieder gesagt: „allein können wir uns dem Patriarchat nicht stellen, aber gemeinsam schaffen wir das!“ Und ja, das ist oft anstrengend und nervig. Manchmal fühlt es sich eher kräftezehrend als bestärkend an. Es gibt dabei auch Momente von Unsicherheit und Angst. Aber am Ende ist es das, worauf wir uns verlassen können: Dass wir mit unserer Solidarität diese Bedrohungen überwinden können.
Wenn ich mich hier umschaue, sehe ich so viele wundervolle Menschen. Ihr seid mutig, ihr seid frech. Ihr seid zärtlich und zornig. Ihr helft privat und seid politisch engagiert. Kurz: ihr seid vielfältig. Und wir von der Queer Pride wissen: Unsere Diversität ist unsere Stärke. Lasst uns zusammen stehen und diese Stärke nutzen!
Wir fordern volle Solidarität mit allen Opfern patriarchaler Gewalt.
Wir kämpfen weiter für Freiheit, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit! Und wenn wir dabei gegenseitig füreinander einstehen, dann werden wir diesen Kampf auch gewinnen!
An alle antifeministischen Arschlöcher auf dieser Welt: Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir lassen uns nicht vertreiben, und wir werden uns erst recht nicht verstecken!
„We’re here, we’re queer – we’re fabulous, don’t mess with us!“