Redebeitrag vom Frauen*Salon

Achtung! Achtung!
Hier spricht die poli…….tische Stimme von Karen!

Ich spreche hier heute für eine Gruppe Frauen, die oft übersehen wird und/oder eher wenig Beachtung findet, weil sie es aus Sicherheitsgründen vorzieht unsichtbar zu sein und
zu bleiben – und zwar Frauen, die wohnungs- oder obdachlos sind bzw. es mal waren.

Heute ist der 8. März – feministischer Kampftag.
Dieser Tag an dem wir auf die Straße gehen und laut sind. Ein Tag u. a. für die Gleichberechtigung und Rechte für Frauen, sowie unsere Sichtbarkeit und Würde.
Für Frauen* bedeutet Wohnungslosigkeit oft zusätzliche Gefahr – Gewalt, Abhängigkeit und Unsichtbarkeit. Viele leben verdeckt wohnungslos, schlafen bei Bekannten auf Sofas oder bleiben in Beziehungen, die ihnen nicht guttun, nur um nicht auf der Straße zu landen.

Genau aus dieser Realität heraus ist der Frauen*Salon mit Unterstützung der Wohnungslosenstiftung Berlin entstanden. Ein digitaler Raum von Frauen* für Frauen*. Und zwar deutschlandweit sowie mit Teilnehmenden aus Österreich und der Schweiz. Unsere Plattform bietet die Möglichkeit, sich auch über größere Entfernungen hinweg zu vernetzen. Regelmäßige Online- Treffen ermöglichen es Geschichten zu teilen, Probleme zu diskutieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Wir sind ein Schutzraum, ein Zuhörraum, ein Kraftort. Bei uns geht es nicht um Zahlen oder Aktenzeichen sondern um uns, unsere Erfahrungen, unsere Stimmen, um Empowerment und um Selbstbestimmung, gegenseitige Unterstützung und Solidarität. Im Frauen*Salon sitzen Frauen mit ganz unterschiedlichen
Hintergründen an einem Tisch: Wohnungs- und obdachlosigkeitserfahrene Frauen,
Unterstützerinnen, Fachkräfte und Solidaritäterinnen.
Und wir begegnen uns alle auf Augenhöhe Das ist uns enorm wichtig, ebenso Antifaschismus. Nazis braucht ja wirklich kein Mensch.

Feminismus heißt für uns auch, keine zu vergessen.
Auch nicht die Frauen*, die keine Adresse haben. Auch nicht die, die sich oft schämen müssen für etwas, das eigentlich ein gesellschaftliches Versagen ist. Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der Frauen nicht zwischen Sicherheit und Unsichtbarkeit wählen müssen. In der Wohnen ein Recht ist und kein Privileg. Und daher fordern wir dringendst selbstbestimmte Schutzräume in Form von Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen – und zwar bezahlbare. Soziale Kälte und staatliche Einsparmaßnahmen kosten unsere Leben, verdammt noch mal. Kommt in die Puschen, liebe Regierenden.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die sich nicht wie ein Rechteck anfühlt und in oben und unten oder vorne und hinten eingeteilt ist. Sondern einen großen, solidarischen Kreis, an dem alle dicht an dicht stehen und in alle Richtungen Stärke, Solidarität und Sicherheit vermitteln. Der denen im Inneren die Hände reicht und beschützt, uns auffängt, empowert und unterstützt, der keine zurück läßt. Leave no one behind!

Danke, dass wir heute hier sprechen dürfen. Danke fürs Zuhören – und danke an alle, die mit uns gemeinsam Räume öffnen, damit keine Frau* mehr draußen bleiben muss